Gedanken zur Zeit

„… es kann nun wieder einige Erleichterungen geben.“ Aussagen wie diese waren diese Woche Balsam für die Seele. Es ist beileibe noch nicht vorbei, aber nach dem lähmenden Gefühl, das viele vor allem zu Anfang der Krise ergriffen hat, kann es einem jetzt auch innerlich wieder leichter ums Herz werden. Die äußeren Erleichterungen werden ihre innerliche Wirkung nicht verfehlen.

In den letzten Wochen hieß es: „Eine solche Krise haben wir alle noch nicht mitgemacht.“ Das stimmt nach wie vor, auch wenn wir jetzt schon einen ersten vorsichtigen Blick zurück wagen dürfen. Aber gerade angesichts der Erleichterung, die sich jetzt ein Stück weit einstellt, merke ich: es stimmt auch wieder nicht. Denn die Rückkehr zu einem mehr und mehr „normalen“ Leben ist für die vielen einzelnen nichts anderes als die Rückkehr in ihr persönliches Leben. Und dort, so wissen wir es aus eigener Erfahrung, haben sich die Täler und Höhen schon mehrmals abgewechselt und vermutlich wird es auch in Zukunft nicht anders sein: Da kennen wir die kleinen und großen Krisen, die wir schon bewältigen mussten, wie auch die Erleichterung, die wir fühlten, wenn sich etwas zum Besseren gewendet hat oder überwunden war. Wir kennen Bangen und Hoffen, mal kurzzeitig, mal länger andauernd, und eigentlich immer im Wechsel.

Wir wissen aber auch: „Normal“ wird sich das Leben für uns nur anfühlen, solange wir in uns die feste Gewissheit spüren, dass wir mit diesem Wechselbad, das unser Lebenslauf ist, zurande kommen werden. Dass wir das meistern können. Dass es uns im Großen und Ganzen nicht überfordert. Davon erzählt auch die Bibel in reicher Fülle: von Menschen, die im Angesicht Gottes und mit seiner Hilfe fähig wurden, ihr Leben in dieser Gewissheit zu vollbringen.

Prof. Dr. Elmar Koziel, Rektor, Geistl. Leiter